Sowohl eine Zytostatische Therapie, als auch eine Strahlentherapie führen in unterschiedlichem Ausmaß zu einer Beeinträchtigung der Funktion der Eierstöcke (Ovarien).
Die individuelle Einschätzung des Risikos ist schwierig. Auch dann, wenn sich nach einer Therapie ein normaler Monatszyklus wiedereinstellt, kann die ovarielle Reserve stark erschöpft sein und es kann frühzeitig zum Einsetzen der Wechseljahre kommen. Jede Frau besitzt von Geburt an nur einen bestimmten Vorrat von Eianlagen (Primodialfollikel). Der natürliche Vorgang der Eireifung bringt normalerweise jeden Monat aus diesen Follikeln ein befruchtungsfähiges Ei hervor. Der Vorrat reicht bei einer Frau durchschnittlich bis 51 Jahre, danach treten die Wechseljahre ein. Wird durch äußere Einflüsse, wie z.B. Chemotherapie oder Bestrahlung die Anzahl der Eianlagen reduziert, kann dies zu einer frühzeitigen Erschöpfung der ovariellen Reserve führen. Einfluss der Chemotherapie Bestimmte Chemotherapeutika, z.B. Alkylantien, können einen Effekt auf die Keimzellen haben. Die Zahl z.B. der Eizellen, die unter der Behandlung verloren gehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: - der Art des Zytostatikums
- der Dosis des Medikamentes
- dem Alter der Frau
Je höher die Dosis des Medikamentes und je älter die Frau zum Zeitpunkt der Therapie ist, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine vorübergehende oder auch dauerhafte Unfruchtbarkeit eintritt. Anhand von Untersuchungen bei unterschiedlichen Malignomen hat man Aufschluss über den Einfluss von zytostatischen Medikamenten auf die Fruchtbarkeit gewonnen. |
Toxische Wirkung verschiedener Zytostatika auf die ovarielle Funktion, Quelle: Fraunarzt 47 (2006) Nr. 7 Hohes Risiko | mittleres Risiko | niedriges Risiko |
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Cyclophosphamid | Cisplatin | Methorexat | Chlorambucil | Adriamycin | 5-Fluorouracil | Melphalan | | Vincristin | Busulfan | | Vinblastin | Porcabazine | | Bleomycin | Nitrourea | | Actinomycin | Stickstoff-Lost | | | Mustin | | | Cytosinarabinosid | | |
Radiotoxizität und Ovarialinsuffizienz Bei der Bestrahlung spielt das Alter der Frau eine bedeutende Rolle, um das Risiko einer nachfolgenden Unfruchtarkeit einzuschätzen. Die Bestrahlung eines Eierstocks eines Mädchens vor der Pubertät ist wesentlich weniger kritisch, als bei einer Frau kurz vor den Wechseljahren. Weiterhin ist die Strahlendosis entscheidend. Die Strahlendosis wird in Gray (Gy) angegeben. Ab 2 Gy werden ca. 50% des funktionellen Gewebes geschädigt, ab 10 Gy ist generell mit einem Verlust der Eierstockfunktion zu rechnen.
Ovarielle Dosis (Gy) | Sterilität |
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0,6 | kein Effekt | 1,5 | gewisses Risiko | 2,5 - 5 (15-40 Jahre) | 60% | 5-8 (15 - 40 Jahre) | 70% | 8 (15 - 40 Jahre) | 100% | 2,5 - 5 ( 40 Jahre) | 100 % |
Zu beachten sind in diesem Zusammenhang auch Funktionsstörungen der Gebärmutter, die bei einer hohen Strahlenbelastung auftreten. Strahlenbedingte Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut können sich negativ auf die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter auswirken. |